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Beispiele aus der Praxis

Projekt "Aufbau von Gesundheitsteams für Sport und Ernährung an offenen Ganztagsgrundschulen (OGGS)"

Seit Beginn des Schuljahres 2003/2004 haben Grundschulen in NRW begonnen, sich mit einem neuen Erziehungs- und Betreuungsangebot am Nachmittag zu öffnen. Im Kreis Gütersloh nehmen inzwischen über 60 der insgesamt 75 Grundschulen am "offenen Ganztag" teil. Die Abteilung Gesundheit des Kreises versucht gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern einen Beitrag zur Prävention von Übergewicht in das Angebot der Schulen zu integrieren. Waldemar Streich vom lögd sprach mit der Abteilungsleiterin Dr. Anne Bunte und der Geschäftsführerin der Gesundheitskonferenz, Christel Kunz über dieses Projekt.

Wie ist die Idee zum Aufbau von Gesundheitsteams an offenen Ganztagsgrundschulen (OGGS) entstanden?

Kunz: Das Projekt hat eine längere Vorgeschichte, die etwa mit dem Start der OGGS beginnt. Damals sahen verschiedene Berufsgruppen aus dem Bereich der Gesundheitsförderung eine Chance, ihre Angebote in die Schulen zu bringen. Wir haben 2004 eine gemeinsame Tagung aller kommunalen Gesundheitskonferenzen in OWL in Bielefeld in Kooperation mit der Bezirksregierung Detmold und OPUS NRW veranstaltet, wo es darum ging, schulische und außerschulische Akteure zusammen zu führen.

Bunte: Die Ausgangssituation war zunächst von einer fast schon dramatisch zu nennenden Entwicklung gekennzeichnet, was die schnell ansteigende Zahl der an OGGS teilnehmenden Grundschulen betrifft. Die Nachmittagsangebote waren unter diesen Anfangsbedingungen sehr unstrukturiert. Vertreter der Krankenkassen haben uns gesagt: "Wenn wir daraus etwas Strukturbildendes entwickeln können, machen wir als Partner mit." In der Folgezeit ist dann mit finanzieller Förderung durch das Land NRW ein Konzept entstanden, dessen modellhafte Umsetzung nun unmittelbar bevorsteht und an der gesetzliche Krankenkassen maßgeblich beteiligt sein werden.

 

Was waren die ersten Schritte?

Kunz: Zunächst wurde eine Abfrage durchgeführt, um festzustellen, welche Materialien es für den Einsatz an Grundschulen gibt. Da war wenig vorhanden, insbesondere für das Thema "Ernährung". Vieles davon war auf den klassischen Unterricht am Vormittag zugeschnitten und damit für unsere Zwecke nur bedingt einsetzbar.

Daraufhin wurde mit Unterstützung der Uni Bielefeld eine Medienrecherche durchgeführt und eine umfangreiche Mediensammlung zum Thema "Ernährung und Bewegung" angeschafft, die für die Grundschulen im Kreismedienzentrum zum Ausleihen zur Verfügung steht. Bei der Auswahl der Medien wurde besonderer Wert darauf gelegt, dass sie sich gut für den Einsatz in der Offenen Ganztagsgrundschule eignen und Qualitätsansprüche erfüllen. Die Medien sollen den Grundschulen eine Hilfe in Ihrer pädagogischen Arbeit sein und bei der Umsetzung auch Spaß machen.

In einem zweiten Schritt ist dann von einer Ernährungsexpertin und einer Diplomsportlehrerin ein Konzept für zwei Workshops entwickelt worden, um den potentiellen Mitarbeitern der Gesundheitsteams, also Lehrern, externen Fachkräften und Eltern die Inhalte und Materialien des Nachmittagsangebots vorzustellen. Diese Workshops fanden anschließend statt mit dem Ergebnis, dass wir viele Anregungen und Hinweise zur Anpassung und Überarbeitung des Konzepts bekommen haben.

Welchen Einfluss hat aus ihrer Sicht die Erhebung eines Kostenbeitrags seitens der Eltern auf die Teilnahme der Kinder aus sozial schwierigen Lagen?

Bunte: Das ist eine Frage, mit der sich Politik und Schulen auseinander zu setzen haben. Es gibt verschiedene Bemühungen die soziale Selektion zu begrenzen, etwa die Staffelung der Beiträge und die Möglichkeit der Übernahme der Kosten für die Mahlzeiten durch Sponsoren wie die Stadtstiftung Gütersloh. Wir werden dennoch bei der späteren Evaluation unserer Ergebnisse darauf achten, mögliche Effekte zu berücksichtigen.

Es sind aber noch weitere Aspekte zu beachten, so z.B. die Tatsache, dass die OGGS teilweise in einem ländlichen Raum angesiedelt sind. Da sind größere Vorbehalte der Eltern gegen eine Nachmittagsbetreuung der Kinder in den Schulen durchaus verbreitet. Desweiteren ist es wichtig, auf den Aspekt der Prioritätensetzung zu verweisen. Eltern müssen davon überzeugt werden, dass ihr Kostenbeitrag eine sinnvolle Ausgabe für ihr Kind darstellt. Hier ist ein qualitativ hochwertiges Angebot die beste Werbung um all diejenigen zu gewinnen, die zunächst nicht teilnehmen.

Zum Stichwort "Qualität" die Frage: Wie kontrollieren Sie die laufende Arbeit und ihre Ergebnisse im Hinblick auf die gesetzten Ziele?

Bunte: Um eines gleich vorweg zu nehmen: Evaluationskonzepte für den Bereich der Prävention von Übergewicht sind üblicherweise sehr stark auf Gewichtsreduktion ausgerichtet. Das wollen wir nicht. Unser Ziel ist der Nachweis einer dauerhaften Verhaltensmodifikation bei den Kindern, die möglichst auf das Verhalten der Eltern ausstrahlt. Die Methoden, mit denen wir das erfassen können, befinden sich noch in der Entwicklung.

Kunz: Das durchgeführte Projekt "Aufbau von Gesundheitsteams für Sport und Ernährung" ist Teilprojekt des breit und nachhaltig angelegten Projektes "Kinderbeauftragte für Bewegung, Alltagsmobilität und Ernährung im Kreis Gütersloh". Unsere Evaluation wird von unserem Kooperationspartner, der Uni Bielefeld, maßgeblich unterstützt und ist an der Prozess- und Ergebnisevaluation ausgerichtet. Ein wesentlicher Evaluationsschritt ist in den bereits angesprochenen Workshops geleistet worden. Weitere Schritte werden regelmäßige Befragungen der teilnehmenden Kinder, der Eltern und der Mitarbeiter in den Gesundheitsteams sein. Erste Entwürfe der dazu erforderlichen Fragebögen liegen bereits vor.

Was sind die unmittelbar anstehenden Schritte der nächsten Wochen?

Bunte: Wir werden mit einer Pilotschule nun im November starten. Hier wird ein Tag in der Woche als Gesundheitstag mit wochenweisem Wechsel von Angeboten zur Ernährung und Bewegung etabliert werden. Darüber hinaus hoffen wir, die Stelle einer koordinierenden "Kinderbeauftragten für Bewegung, Alltagsmobilität und Ernährung" mit Hilfe von Sponsoren einrichten zu können, um schon bald in die Breite gehen zu können. Spannend wird die Entwicklung des Präventionsgesetzes sein, das nachhaltig Einfluss auf ein solches Projekt haben dürfte.

 
 
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